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Japan: Raus aus der Altersarmut – rein ins Gefängnis

Ein neuer Trend aus Japan, jedoch kein technischer: Senioren versuchen ins Gefängnis zu kommen, um Altersarmut und Einsamkeit zu entgehen.

Der Zerfall des familiären Zusammenhalts in Japan treibt kriminelle Blüten.

Als „Spiderman-Einbrecher“ gefürchtet und bewundert, beging ein 74-jähriger Japaner 8 Jahre lang Verbrechen und machte fette Beute bis er gefasst wurde. Der Fassadenkletterer wirft ein Schlaglicht auf ein ungewöhnliches Phänomen: die Verbrechensrate der Senioren Japans.

Die Bevölkerung nannte ihn respektvoll den „Ninja von Heisei“, die Polizei fahndete nach ihm mit einem einzigen unscharfen Foto, durch einen wortwörtlichen Ausrutscher an einer glatten, regennassen Hauswand wurde er geschnappt, so L´essentiel.

Dieser Fall fällt auf, dennoch ist er nicht besonders ungewöhnlich. Statt im trauten Heim von ihren Kindern und Enkeln verehrt und gepflegt zu werden, zerfällt der familiäre Zusammenhalt, die jungen Menschen zieht es seit Jahrzehnten weg vom Land in die Großstädte. Ganze Landstriche sind heute entvölkert und vergreist.

Eine alte Dame mulcht ihr Gemüsebeet. Japaner arbeiten meist bis ins hohe Alter.

Die Fälle von Senioren, die hoffen, ins Gefängnis gesteckt zu werden, damit sie Nahrung und Unterkunft erhalten können, betonen die Notwendigkeit, sich mit der wirtschaftlichen Selbstversorgung älterer Menschen in Japan zu befassen. Besonders für diejenigen, die keine Familie haben, die in der Lage ist, sie anderweitig zu unterstützen, schreibt Japan Times.

Die Lösung: ab in die Haftanstalt

Senioren suchen nach einer Lösung für ihre Not, viele haben kleine Renten, sorgen sich um die Gesundheit und ihre  Zukunft.

Für viele Alte liegt die Lösung nahe. Kriminell werden – und in den Genuss staatlicher Vollversorgung samt Bad und warmem Abendessen kommen.

Japan hat eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt, im vergangenen Jahr sei die Zahl der Verbrechen sogar erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg unter die 1-Millionen-Marke gefallen, geht aus dem jährlichen White Paper des Justizministeriums hervor, schreibt Sumikai. Über 12,2% Prozent der Inhaftierten seien über 65 Jahre alt.

Die graue Welle der Kriminalität

„Seit Ende des Wirtschaftswunders vor 20 Jahren steigt der Altersschnitt der Häftlinge enorm, während die Kriminalität absolut abnimmt.

Demnach ermittelte die Polizei 2011 gegen mehr als 48.000 Bürger, die älter als 65 waren; ihr Anteil an Vorverfahren stieg auf 16 Prozent. 1998 waren es 13.700“, schreibt Die Presse.

Doch jetzt reagiert der japanische Staat. Mit altengerechten Haftabteilungen, zusätzlichem Pflegepersonal, stolperfreien Rampen und Erwachsenenwindeln in den Strafvollzugsanstalten.

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