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Wie hieß noch mal das letzte Aufgebot, das von der Führung der NSDAP mobilisiert wurde, als sich die totale Niederlage im Kampf gegen die Alliierten abzeichnete? Richtig: Volkssturm. Alle „waffenfähigen Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren“ wurden aufgerufen, den „Heimatboden“ des Deutschen Reiches zu verteidigen, „bis ein die Zukunft Deutschlands und seiner Verbündeten und damit Europas sichernder Frieden gewährleistet“ wäre.

Es liegt mir ferner als fern, die CDU/CSU mit der NSDAP zu vergleichen, aber eine paradoxe Analogie drängt sich geradezu auf. Wenige Tage vor der Bundestagswahl schickt die Union ihr letztes Aufgebot in den Wahlkampf, obwohl ihr nicht eine Niederlage, sondern – glaubt man den Umfragen – ein opulenter Sieg droht. Künstler, Sportler, kleine Stars und große Sternchen outen sich als Merkel-Fans und rufen dazu auf, die Kanzlerin wieder zu wählen. Ein medialer Volkssturm mit vielen No Names und einigen echten Prominenten als Kombattanten.

Der Sänger Heino („Schwarz-braun ist die Haselnuss“) zum Beispiel schätzt Angela Merkel „für ihre geradlinige Haltung und ihre Authentizität“, sie habe „mit Fleiß und Beharrlichkeit… Deutschland zu dem gemacht, was es ist: ein wohlhabendes und weltoffenes Land“. Bevor Merkel die Führung des Landes übernahm, war es wohl arm wie eine Kirchenmaus und so weltabgewandt wie Heino und seine Lieder. Außerdem nimmt es Heino der SPD übel, dass sie ihm „das Bundesverdienstkreuz verweigert“ hat.

Der Kraftsportler Ralf Moeller rechnet es der Kanzlerin hoch an, dass mit ihr „das Ansehen Deutschlands… in der ganzen Welt gestiegen“ ist. Sogar in Kalifornien, wo Moeller seit 27 Jahren lebt. Die Schauspielerin Sophia Tomalla unterstützt „Angela Merkel, weil sie absolut skandalfrei ist“.

Den absoluten Gipfel an Wertschätzung erklimmt der Berliner Promi-Friseur Udo Walz: „Für mich persönlich gibt es keine Alternative zur Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Ich vertraue ihr!“ Dazu muss man wissen, dass das Vertrauen ein gegenseitiges ist: Die Kanzlerin lässt sich von Walz frisieren.

So hat jede und jeder einen ganz persönlichen Grund, Angela Merkel zu  preisen. Sie wird die Wahl gewinnen, wegen oder trotz ihrer Unterstützer. Und am 24.9. um 18 Uhr wird demobilisiert.

Zuerst erschienen in der Zürcher Weltwoche

Quelle