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„Kretschmann kam die Kamera sehr gelegen“

Ein Video des Grünen-Politikers Winfried Kretschmann sorgt derzeit für Schlagzeilen. Wie die JUNGE FREIHEIT bereits am Donnerstag berichtet, ist der baden-württembergische Ministerpräsident darauf zu sehen, wie er dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel die Meinung geigt. Anlaß der Standpauke: Der Beschluß der Grünen für ein Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2030.

Kretschmann hält das für einen Schwachsinnstermin und prophezeit Gastel, wenn die Grünen daran festhielten, werde es bei der Bundestagswahl gerademal für sechs Prozent reichen. Nachdem das Video publik wurde, kritisierte Kretschmanns Regierungssprecher Rudi Hoogvliet die Aufnahmen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa scharf. Das sei eine „Verwilderung der Sitten“, klagte er.

„Ein solcher Lauschangriff und dessen Veröffentlichung ist zumindest sittenwidrig.“ Es habe sich nicht um eine öffentliche Debatte beim Parteitag, sondern um ein privates Gespräch mit einem befreundeten Bundestagsabgeordneten gehandelt. Dies aufzunehmen sei sehr fragwürdig.

„Kretschmann wollte das Statement plazieren“

Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT wies der Journalist Christian Jung, der die Aufnahme gemacht hatte, die Vorwürfe zurück. „Das ist völlig absurd. Ich stand mit meiner Kamera auf Stativ keine zwei Meter von Herrn Kretschmann und Herrn Gastel entfernt. Die Aufnahmesituation war eindeutig und klar erkennbar.“

Laut Jung hätten die beiden Grünen-Politiker immer wieder zu ihm geschaut, auch habe es Blickkontakt gegeben. „Es war unmöglich, mich nicht wahrzunehmen. Ich hatte den Eindruck, daß es Herrn Kretschmann genau darum ging, dieses Statement zu plazieren und ihm die Kamera in dem Moment sehr gelegen kam. Er wollte sich von dem Beschluß, ab 2030 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen, distanzieren. Das war ihm wichtig“, schilderte Jung den Vorgang.

„Wie er in dem Video ja schon sagt: Ihm ist das Wahlergebnis der Grünen nicht so wichtig. Entscheidend ist für ihn sein Ruf als Ministerpräsident.“ Daß die Grünen über das Video nicht gerade erfreut sind, könne Jung nachvollziehen. „Es kratzt eben an dem wohl gehegten Eindruck der großen Einigkeit in der Partei.“

Das sei aber nicht seine Schuld, schließlich habe er das Statement nur aufgenommen, verantwortlich dafür sei aber Kretschmann. Jung kündigte zudem ein weiteres Video an, das in den kommenden Tagen ebenfalls für Schlagzeilen sorgen werde. Diesmal gehe es um Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir. (krk)

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