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Schulbesuch im Asylheim: Keine nackte Haut an Ramadan

BAUTZEN. Ein geplanter Projekttag an einem Bautzener Gymnasium mit Flüchtlingen sorgt derzeit in den sozialen Netzwerken für Empörung. Vorgesehen ist unter anderem eine Diskussionsrunde für die Schüler der neunten Klasse des Schiller-Gymnasiums in Bautzen über „Asyl und Geflüchtete“. Zu dieser sollen auch ein Vertreter des Bündnisses „Bautzen bleibt bunt“ sowie ein Sozialarbeiter einer Flüchtlingsunterkunft kommen.

Anschließend ist der Besuch eines Flüchtlingsheims geplant. Wenn möglich sollten dabei auch Asylbewerber den Schülern ihre Zimmer zeigen. In einem Informationsschreiben weist die Schülerinitiativgruppe ihre Klassenkameraden darauf hin, daß während der Zeit des Besuchs der Fastenmonat Ramadan stattfinde. „Das heißt, daß die Männer keine nackte Haut von Mädchen und Frauen sehen dürfen.“

Respekt vor der Religion der Flüchtlinge

Da man den Glauben respektieren wolle, werde darum gebeten, während des Besuchs der Asylunterkunft ein schulterbedecktes T-Shirt ohne großen Ausschnitt und lange Hosen oder einen langen Rock zu tragen. „Schülerinnen, die das nicht tun, werden von der Veranstaltung ausgeschlossen oder bekommen von uns Tücher und T-Shirts.“

Sozialarbeiterin Sophia Delan vom Projekt „Pro Chance“, das den Workshop in Kooperation mit dem Bündnis „Bautzen ist bunt“ leitet, begründet den Kleidungshinweis gegenüber der JUNGEN FREIHEIT mit dem Respekt vor der Religion der Flüchtlinge. „Es geht nur um die Zeit, in der wir bei den Flüchtlingen in ihrer Unterkunft zu Gast sind. Da Ramadan ist, wollen wir ihrem Glauben ein Stück weit Respekt entgegenbringen.“

Die Teilnahme bei dem Besuch in der Asylunterkunft sei freiwillig. Für Schüler, die nicht daran teilnehmen wollten, werde es ein Alternativprogramm geben. Die Diskussionsrunde vorher finde in der Schule statt, und dort dürften die Mädchen auch gern die Kleidung tragen, die sie anziehen wollten.

Mit Flüchtlingen ins Gespräch kommen

Insgesamt gehe es an dem Tag darum, mit Flüchtlingen und Flüchtlingshelfern ins Gespräch zu kommen und sich mit dem Thema Flucht und Asyl zu beschäftigen. „Die Schüler sollen direkt Fragen stellen, auch kritische. Sie sollen fragen können: ‘Warum bist du hier?’ Und ‘Warum sind so viele Männer hier?’“, erläutert Delan.

„Das Thema Flüchtlinge und Asyl wird immer wieder an uns herangetragen. Deshalb haben wir uns gedacht, es ist doch besser, wenn die Schüler sich an dem Projekttag einen eigenen Eindruck verschaffen können, anstatt daß sie sich nur aus den sozialen Netzwerken über die Problematik informieren.“ Es gehe allerdings nicht darum, betont die Sozialarbeiterin, die Meinung der Schüler zu beeinflussen. Das Schiller-Gymnasium war bislang nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Vor zwei Jahren hatte der Fall des Pockinger Wilhelm-Diess-Gymnasiums bei Passau für Schlagzeilen gesorgt. Weil die dortige Turnhalle in eine Notunterkunft für moslemische Asylbewerber umgewandelt wurde, sollten die dortigen Schülerinnen auf Anweisung der Schulleitung keine kurzen Röcke mehr tragen. Nach Protesten war der Direktor jedoch zurückgerudert. (krk)

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