Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , , , ,

Steckt die Türkei dahinter?

Noch immer schreiben westliche Medien und Politiker die Giftgasangriffe von Ghouta – die großen, bekannten Chemiewaffenattacken des Syrienkrieges – der syrischen Regierung unter dem Präsidenten Assad zu, verschweigen anderslautende Erkenntnisse und klären die Sache nicht auf.

Via blauer Bote

Am 21. August 2013 fand in Ghouta in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus während einer planmäßigen Chemiewaffenuntersuchung der UN in dieser Region die große bekannte Giftgasattacke des Syrienkrieges statt, die vom Westen der syrischen Regierung zugeschrieben wurde. Führende Experten aus den USA untersuchten den Fall und kamen zu dem für sie selbst überraschenden Ergebnis, dass die syrische Regierung nicht für diese Chemiewaffenangriffe im südsyrischen Ghouta verantwortlich war.

Der bekannte US-Investigativjournalist und Publitzer-Preisträger Seymour Hersh berichtete etwa zur gleichen Zeit, dass das Sarin-Giftgas durch die Türkei nach Syrien gebracht wurde und von den Rebellen genannten Jihadisten eingesetzt wurde. 2015 standen in der Türkei mehrere Personen wegen des Schmuggelns des Sarins nach Syrien vor Gericht, wurden aber trotz eindeutiger Beweise auf Druck der türkischen Erdogang-Regierung freigesprochen, wie zwei oppositionelle türkische Abgeordnete berichteten, die Einblick in die Gerichtsakten hatten.

Erstaunlicherweise hatte ein bekannter deutscher Syrienexperte bereits 2012, Monate vor dem Ghouta-Angriff, in einem Interview erklärt, dass man im arabischen Raum einen baldigen False-Flag-Giftgasangriff im Süden von Syrien und ein darauffolgendes Eingreifen der USA in Syrien erwarte. Westliche Politiker und Medien behaupten entgegen der Beweislage bis heute, die syrische Regierung haben die Giftgasanschläge in Ghouta durchgeführt.

Journalist von Stars and Stripes und BBC sah nichts Ungewöhnliches

Ein Reporter von Stars and Stripes, dem Magazin für die US-Streitkräfte, berichtete zu der Zeit der Ghouta-Giftgasattacken aus Syrien. Er erklärte in einem Interview mit dem britischen Staatssender BBC, er sei in die Nähe des Anschlagsortes gefahren und habe nichts Ungewöhnliches auf dem Gebiet der syrischen Regierung bemerkt.

Wissenschaftler: Angriff erfolgte nicht durch syrische Truppen

Wenige Monate nach den Angriffen mit dem Nervengift Sarin bei Ghouta in Syrien, dem wohl hunderte Menschen zum Opfer fielen, veröffentlichten US-Wissenschaftler vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT, eine führende Technische Hochschule und Universität der USA) und den Tesla Laboratories einen Bericht zu der Attacke mit dem Titel “Possible Implications of Faulty US Technical Intelligence in the Damascus Nerve Agent Attack of August 21, 2013“).

Die beiden Experten – der frühere UN-Waffeninspektor Richard Lloyd und der MIT-Professor Theodore A. Postol – waren eigentlich vor ihrer Untersuchung davon ausgegangen, dass Assads Truppen für die Giftgasattacke verantwortlich waren. Dann fanden sie genau das Gegenteil heraus. Unter dem Titel “Obamas Kriegslüge. Zwei US-Forscher legen Studie zum Chemiewaffenangriff vom 21. August 2013 bei Damaskus vor: Washingtons Darstellung ist falsch” gibt es bei der AG Friedensforschung einen interessanten Bericht zu dem Thema. Dort ist auch eine deutschsprachige Übersetzung der Hauptkritikpunkte der beiden US-Wissenschaftler an den Angaben der US-Regierung zu finden:

  • Die syrischen unkonventionellen Chemiewaffenträger, die beim Nervengasangriff vom 21. August in Damaskus benutzt wurden, hatten eine Reichweite von rund zwei Kilometern.
  • Die unabhängige Bewertung der Reichweite der Chemiewaffenträger durch die Vereinten Nationen steht in genauer Übereinstimmung mit unseren Befunden.
  • Das besagt, dass diese Geräte nicht vom ›Herz‹ oder dem östlichen Rand des von der syrischen Regierung kontrollierten Gebietes, wie es auf einer Geheimdienstkarte, die vom Weißen Haus am 30. August 2013 veröffentlicht wurde, dargestellt war, nach Ostghuta abgefeuert werden konnten.
  • Diese falsche Geheimdienstinformation hätte zu einer ungerechtfertigten US-Militäraktion führen können.
  • Eine genaue Überprüfung der Tatsache, daß die Trägerwaffen solch geringe Reichweite hatten, hätte zu einer komplett anderen Bewertung der Situation auf Grundlage der gesammelten Daten geführt.
  • Welche Gründe auch immer zu den ungeheuerlichen Fehlern (errors) in den Geheimdienstinformationen führten – die Quelle dieser Fehler muß aufgeklärt werden.
  • Wenn die Quelle dieser Fehler nicht identifiziert wird, werden die Vorgänge, die zu diesem Versagen der Geheimdienste geführt haben, unkorrigiert bleiben, und die Möglichkeiten für ein zukünftiges Politikdesaster werden mit Bestimmheit wachsen.

Das Ergebnis der Untersuchung der wissenschaftlichen Experten läßt sich folgendermaßen auf einen Punkt bringen: Alleine schon dadurch, dass die Reichweite der gefundenen und von den im Gebiet befindlichen UN-Inspektoren sichergestellten Trägerraketen allerhöchstens zwei Kilometer beträgt, die syrischen Regierungstruppen aber mindestens sechs Kilometer von den Zielorten des Angriffs entfernt waren, läßt sich mit Sicherheit sagen, dass die syrische Regierung nicht für den Giftgasangriff von Ghouta verantwortlich sein konnte (und daraus folgt logisch, dass der Angriff aus dem Gebiet der mit dem Westen verbündeten Jihadisten kam).

Ein solcher Angriff wäre einfach technisch schon unmöglich gewesen für die syrische Regierung. Diese hat auch immer wieder betont, dass sie nicht diesen Attacke durchgeführt hat. Was wiederum von westlichen Medien und Politikern komplett ignoriert oder als unglaubwürdig abgetan wurde. Ein Angriff der USA auf Syrien konnte im letzten Moment abgewendet werden, wohl auch wegen der kritischen Beweislage.

Sehr interessant ist übrigens, dass Professor Postol, der ja immerhin an der wohl renommiertesten technischen Universität der USA, dem MIT, arbeitet und ein ausgewiesener Fachmann ist, in dem englischsprachigen Wikipedia-Artikel über ihn hinsichtlich der von ihm untersuchten Giftgasattacke geradezu verleumdet wird. Anders kann man es kaum nennen. Dort heißt es lediglich: “Syria – Postol has investigated the Ghouta chemical attack, and he has collaborated together with Maram Susli (known online as ‘Syrian Girl’) in investigating the incident through examining Youtube footage and other sources. Together they believe they found a number of items to be inconsistent with the conventional narrative of the incident. [26]“. Link “26” verlinkt auf einen Artikel von Noah Shachtman und Michael Kennedy bei The Daily Beast mit dem bezeichnenden Titel “The Kardashian Look-Alike Trolling for Assad“. So geht Verleumdung … Der Mann hat wohl in ein Wespennest gestochen … Propaganda mag eben keine Wissenschaft. Auch ein Physikprofessor wird lächerlich gemacht und wenn er sich noch so sehr auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Mathematik beruft …

Starjournalist findet Hinweise auf Beteiligung der türkischen Regierung

Die genannten Wissenschaftler Lloyd und Postol mutmaßten, die Jihadisten-“Rebellen” hätten das Sarin-Giftgas möglicherweise selbst fabriziert. Der mehrfach ausgezeichnete us-amerikanische Investigativjournalist Seymour M. Hersh – Gewinner des Publitzer-Preises und fünffacher Gewinner des George Polk Award – hat in einem Anfang 2014 erschienen Artikel mit dem Titel “Whose sarin?“ sowie einem darauffolgenden Bericht mit dem Titel “The Red Line and the Rat Line. Seymour M. Hersh on Obama, Erdoğan and the Syrian rebels“ aufgezeigt, dass die syrische Regierung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht für den Giftgasanschlag im syrischen Ghouta bei Damaskus verantwortlich war, sondern eher Erdogans türkische Regierung und die radikal-islamistische Al-Nusra-Front, der syrische Arm der Al Kaida, im Westen auch als “Rebellen” bekannt.

Hershs Artikel “Whose sarin?” ist unter dem Titel “Wessen sarin?” auch in einer kompletten deutschen Übersetzung im Internet zu finden. Unter dem Titel “Rote Linie, Rattenlinie. Giftgas, Bürgerkrieg und Krieg – Obama, Erdoğan und Syriens Rebellen” gibt es im Internet etwa ein Drittel des anderen genannten Artikels in einer auszugsweisen deutschen Übersetzung. Hier ein kleiner Auszug vom Anfang und vom Schluss des Whose-sarin-Artikels:

“Barack Obama erzählte diesen Herbst nicht die ganze Geschichte, als er versuchte, Gründe dafür zu liefern, dass Bashar al-Assad für die Chemiewaffenangriffe vom 21. August in der Nähe von Damaskus verantwortlich sei. In einigen Fällen liess er wichtige Geheimdienstinformationen weg, und in anderen präsentierte er Vermutungen als Tatsachen. Und das Wichtigste: Er gab nicht zu, was den US-Geheimdiensten bekannt war: dass die syrische Armee nicht die einzige Partei im syrischen Bürgerkrieg ist, die Zugang zu Sarin hat, dem Nervengas, dessen Verwendung beim Raketenangriff eine Uno-Studie feststellte – ohne dabei die Frage der Verantwortlichkeit zu beurteilen.

In den Monaten vor dem Angriff produzierten die amerikanischen Geheimdienste eine Reihe streng geheimer Berichte, die in einem formellen Einsatz-Auftrag [operations order] gipfelten – einem Dokument, mit dem die Durchführung eines Einsatzes geplant wird und das einer Invasion mit Bodentruppen vorausgeht – und das Belege dafür anführte, dass sich die al-Nusra-Front, eine dschihadistische Gruppe, die mit al-Kaida verbunden ist, die Herstellungsweise von Sarin-Gas zu eigen gemacht hatte und in der Lage war, es in grösseren Mengen herzustellen. Als der Angriff stattfand, hätte al-Nusra zu den Verdächtigen gehören müssen, aber die Administration nutzte die Geheimdienstinformationen sehr wählerisch, um einen Schlag gegen Assad zu rechtfertigen. […]

Die Uno-Resolution, die der Sicherheitsrat am 27. September annahm, hatte indirekt mit der Vorstellung zu tun, dass auch Rebellentruppen wie al-Nusra zur Entwaffnung verpflichtet würden: «Keine Partei in Syrien sollte [Chemie-, S.H.] Waffen benutzen, entwickeln, herstellen, erwerben, lagern, behalten oder weiterleiten». Die Resolution verlangt auch die sofortige Benachrichtigung des Sicherheitsrates für den Fall, dass irgendein «nicht-staatlicher Akteur» chemische Waffen beschafft. Keine Gruppe wurde namentlich erwähnt. Während das syrische Regime den Prozess zur Beseitigung seines chemischen Arsenals weiterführt, könnten ironischerweise al-Nusra und ihre islamistischen Verbündeten letztendlich als einzige Fraktion innerhalb Syriens bleiben, die nach der Zerstörung des Vorrates an Vorgängerstoffen Assads noch Zugang zu den Bestandteilen zur Erzeugung von Sarin hat – einer strategischen Waffe, die anders wäre als alle andern im Kriegsgebiet. Es könnte noch mehr zu verhandeln geben.”

In der Wikipedia heißt es im Seymour-M.-Hersh-Wikipedia-Artikel zur roten und Rattenlinie:

“In einem weiteren Investigativreport, The Red Line and the Rat Line, erschienen am 14. April 2014 im London Review of Books stellte Hersh die offizielle Darstellung der US-Regierung abermals in Frage. Laut Hershs weiterer Recherche habe der britische Geheimdienst Proben des eingesetzten Sarins analysieren können und festgestellt, dass die chemische Zusammensetzung des verwendeten Gases keinem der Fertigungslose im Bestand der syrischen Armee entsprach.

Die dadurch entstanden Zweifel hätten Obama, über die Stabschefs vorgetragen, dazu veranlasst den Angriff auf Syrien nicht zu befehlen. Laut Hersh deute vieles darauf hin, dass der Sarinangriff nicht von der syrischen Regierung, sondern als eine Operation des türkischen Geheimdienstes und der Al-Nusra-Front unter falscher Flagge durchgeführt wurde, um die USA mittels der Vortäuschung eines Giftgasangriffs durch Assad zur Intervention in Syrien zu veranlassen.

Sowohl die Regierung in Washington als auch Ankara wiesen den Bericht zurück. Das US-Außenministerium erklärte, es bestehe kein Zweifel an der Urheberschaft des Giftgasangriffs durch syrische Regierungstruppen. Der türkische Vizepremier Bülent Arinc meinte, Hershs Ausführungen seien eine „glatte Lüge“.

Ein im Internet erschienener Gesprächsmitschnitt deckte auf, dass höchste türkische Regierungsmitglieder, darunter auch der Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan einen Angriff unter Falscher Flagge planten, der die Absicht verfolgte, ein militärisches Eingreifen in Syrien zu provozieren. Seitens der türkischen Regierung wurde versucht, diesen Mitschnitt durch Internetzensur zu unterdrücken. Pierce Nahigyan sah in diesem Umstand eine Erhöhung der Glaubwürdigkeit von Hershs Anschuldigungen und schrieb: „Die Länder sagten, diese Verschwörung von Hersh ist zu schauerlich, um wahr zu sein. Ich bin sicher, Herr Hersh ist daran gewöhnt. Er hört es nun schon seit 1969.“”.

Die Bemerkung “seit 1969″ bezieht sich hierbei darauf, dass Hersh 1969 mit der Aufdeckung des My-Lai-Massakers in Vietnam durch US-Truppen seinen internationalen journalistischen Durchbruch hatte und dabei (wie auch bei weiteren Arbeiten bis heute) “natürlich” zuerst einmal nicht für voll genommen beziehungsweise diskreditiert wurde. In dem Rattenlinien-Artikel schreibt Hersh dann bezüglich der Schuldigen für die Nervengasattacke:

“Je mehr abgefangene Meldungen und andere Daten mit Bezug zum 21. August man zusammentrug, desto stärker sahen sich die Nachrichtendienste in ihrem Verdacht bestätigt. „Wir wissen jetzt, daß es sich um eine verdeckte, von Erdoğans Leuten geplante Aktion handelte, die Obama über die red line stoßen sollte“, sagte der ehemalige Nachrichtendienstler. „Sie mußten die Situation mit einem Gasangriff in oder in der Nähe von Damaskus eskalieren, während die UN-Inspektoren“ – die am 18. August zur Untersuchung der anderen Giftgaseinsätze eintrafen – „dort waren. Es ging darum, etwas Spektakuläres zu tun. Unsere militärische Führung erfuhr von der DIA und anderen Geheimdiensten, daß das Sarin über die Türkei geliefert wurde – und daß das nur mit türkischer Unterstützung möglich gewesen war. Die Türken sorgten außerdem für die Ausbildung in Sachen Herstellung und Umgang damit.“

Erhärtet wurde diese Annahme zu einem Gutteil von den Türken selbst, so durch abgefangene Unterhaltungen im unmittelbaren Gefolge des Angriffs. „Wesentliche Beweise kamen unmittelbar nach dem Angriff in Form freudiger Gratulationen in zahlreichen abgefangenen Unterhaltungen der Türken. Operationen sind im Planungsstadium immer megageheim, aber damit ist in dem Augenblick Schluß, wenn es bei Gelingen ans Trommeln geht. Nichts macht einen anfälliger, als wenn die Täter den Erfolg für sich beanspruchen.“ Erdoğans Probleme in Syrien würden bald vorbei sein: „Das Gas geht hoch, Obama sagt red line, und Amerika greift Syrien an – oder wenigstens war das der Gedanke dahinter. Aber so ist es dann eben doch nicht gekommen.“”.

2012 war Hersh übrigens für die deutschen Medien – oder zumindest die Süddeutsche Zeitung – noch “der beste investigative Reporter der Welt” (siehe auch Bild/Screenshot unten sowie natürlich den entsprechenden SZ-Artikel “Seymour Hersh im Interview – ‘Das Rätsel bleibt, wie Verrückte die Regierung übernehmen konnten’”) – dann schnüffelte er wohl zu viel im aktuellen Syrienkonflikt herum … Seine aktuellen Erkenntnisse zum “syrischen” Sarin-Giftgas werden schön unter der Decke gehalten. Begleitend dazu wird Hersh auch von einigen Medien massiv verleumdet.

Sowohl die Regierung in Washington als auch Ankara wiesen den Bericht zurück. Das US-Außenministerium erklärte, es bestehe kein Zweifel an der Urheberschaft des Giftgasangriffs durch syrische Regierungstruppen. Der türkische Vizepremier Bülent Arinc meinte, Hershs Ausführungen seien eine „glatte Lüge“.

Ein im Internet erschienener Gesprächsmitschnitt deckte auf, dass höchste türkische Regierungsmitglieder, darunter auch der Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan einen Angriff unter Falscher Flagge planten, der die Absicht verfolgte, ein militärisches Eingreifen in Syrien zu provozieren. Seitens der türkischen Regierung wurde versucht, diesen Mitschnitt durch Internetzensur zu unterdrücken. Pierce Nahigyan sah in diesem Umstand eine Erhöhung der Glaubwürdigkeit von Hershs Anschuldigungen und schrieb: „Die Länder sagten, diese Verschwörung von Hersh ist zu schauerlich, um wahr zu sein. Ich bin sicher, Herr Hersh ist daran gewöhnt. Er hört es nun schon seit 1969.“”.

Die Bemerkung “seit 1969″ bezieht sich hierbei darauf, dass Hersh 1969 mit der Aufdeckung des My-Lai-Massakers in Vietnam durch US-Truppen seinen internationalen journalistischen Durchbruch hatte und dabei (wie auch bei weiteren Arbeiten bis heute) “natürlich” zuerst einmal nicht für voll genommen beziehungsweise diskreditiert wurde. In dem Rattenlinien-Artikel schreibt Hersh dann bezüglich der Schuldigen für die Nervengasattacke:

“Je mehr abgefangene Meldungen und andere Daten mit Bezug zum 21. August man zusammentrug, desto stärker sahen sich die Nachrichtendienste in ihrem Verdacht bestätigt. „Wir wissen jetzt, daß es sich um eine verdeckte, von Erdoğans Leuten geplante Aktion handelte, die Obama über die red line stoßen sollte“, sagte der ehemalige Nachrichtendienstler. „Sie mußten die Situation mit einem Gasangriff in oder in der Nähe von Damaskus eskalieren, während die UN-Inspektoren“ – die am 18. August zur Untersuchung der anderen Giftgaseinsätze eintrafen – „dort waren. Es ging darum, etwas Spektakuläres zu tun. Unsere militärische Führung erfuhr von der DIA und anderen Geheimdiensten, daß das Sarin über die Türkei geliefert wurde – und daß das nur mit türkischer Unterstützung möglich gewesen war. Die Türken sorgten außerdem für die Ausbildung in Sachen Herstellung und Umgang damit.“

Erhärtet wurde diese Annahme zu einem Gutteil von den Türken selbst, so durch abgefangene Unterhaltungen im unmittelbaren Gefolge des Angriffs. „Wesentliche Beweise kamen unmittelbar nach dem Angriff in Form freudiger Gratulationen in zahlreichen abgefangenen Unterhaltungen der Türken. Operationen sind im Planungsstadium immer megageheim, aber damit ist in dem Augenblick Schluß, wenn es bei Gelingen ans Trommeln geht. Nichts macht einen anfälliger, als wenn die Täter den Erfolg für sich beanspruchen.“ Erdoğans Probleme in Syrien würden bald vorbei sein: „Das Gas geht hoch, Obama sagt red line, und Amerika greift Syrien an – oder wenigstens war das der Gedanke dahinter. Aber so ist es dann eben doch nicht gekommen.“”.

2012 war Hersh übrigens für die deutschen Medien – oder zumindest die Süddeutsche Zeitung – noch “der beste investigative Reporter der Welt” (siehe auch Bild/Screenshot unten sowie natürlich den entsprechenden SZ-Artikel “Seymour Hersh im Interview – ‘Das Rätsel bleibt, wie Verrückte die Regierung übernehmen konnten’”) – dann schnüffelte er wohl zu viel im aktuellen Syrienkonflikt herum … Seine aktuellen Erkenntnisse zum “syrischen” Sarin-Giftgas werden schön unter der Decke gehalten. Begleitend dazu wird Hersh auch von einigen Medien massiv verleumdet.

bester_welt

Türkische Abgeordnete: Türkei an Ghouta-Giftgasanschlag beteiligt

Zwei Jahre später, im Herbst 2015, gab es dann plötzlich neue Erkenntnisse zum berühmt-berüchtigten Giftgasangriff im syrischen Ghouta bei Damaskus, die sich erstaunlich gut in die von Seymour M. Hersh ermittelte Geschichte zu dem Fall einfügen. Das deutsche Magazin Telepolis berichtete in dem Artikel mit dem Titel “Wer steckt hinter dem syrischen Giftgas-Angriff?” unter anderem Folgendes über die neu aufgetauchten Indizien zu Ghouta:

“Der türkische Geheimdienst soll hinter dem Angriff stecken.

Mehr als zwei Jahre später sitzen am 21. Oktober 2015 zwei türkische Parlamentsabgeordnete an einem Tisch in Istanbul und erzählen ihre Version der Ereignisse. Eren Erdem und Ali Şeker heißen die beiden Co-Vorsitzenden der oppositionellen CHP-Fraktion im türkischen Parlament. Sie wollen neue Beweise vorlegen: Dafür, dass nicht die syrische Armee, sondern dschihadistische Milizen den Angriff ausgeführt haben. Und dafür, dass nicht Assad, sondern der türkische Geheimdienst hinter dem Angriff von Ghouta steckt.

Hintergrund der Pressekonferenz sind Ermittlungen eines Gerichts im südtürkischen Adana. Die Anklage warf dort 13 Türken vor, Giftgas von der Türkei nach Syrien geschmuggelt haben. Doch dem Gericht reichten die Indizien nicht für eine Verurteilung, es ließ die Männer nach drei Monaten wieder frei. Erdem und Şeker hatten nach eigener Aussage Einblick in die Gerichtsakten und kommen bei ihrer Pressekonferenz zu einer ganz anderen Bewertung als das Gericht.”.

Türkische Regierung verfolgt Abgeordneten wegen “Landesverrat”

Die ehemaligen ARD-Journalisten beziehungsweise -Mitarbeiter Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer haben im Dezember 2015 zu der Thematik um den Giftgaseinsatz im syrischen Ghouta eine Programmbeschwerde bei der ARD eingereicht. Siehe dazu hier bei Rationalgalerie den Artikel mit dem Titel “Giftgas? Nicht ohne Genehmigung der ARD! Wie die Türkei zu einem echten Freund der Deutschen wird“ und vergleiche dazu auch den Medienwatchblog Propagandaschau mit dem Artikel “ARD: Erneute Programmbeschwerde wegen Nachrichten-Unterdrückung zum Giftgaseinsatz in Syrien“. Insbesondere wird hier auch thematisiert, dass die türkische Regierung unter dem Präsidenten Erdogan nun die beiden Oppositionspolitiker verfolgt, die die Verstrickung der türkischen Regierung in den Giftgasangriff öffentlich machten. Wenn diese “Landesverrat” begangen haben sollen, gibt die türkische Regierung auch indirekt zu, dass eben da etwas war. Ein Auszug aus der Programmbeschwerde der ehemaligen ARD-Mitarbeiter (an den zuständigen NDR-Intendanten Lutz Marmor) zu dem Fall und der Verweigerung der Berichterstattung durch die ARD darüber:

“Sehr geehrter Herr Marmor, seit Wochen beschäftigt der Skandal um die türkischen Giftgaslieferungen an syrische Terroristen, die schließlich zu dem Massaker von Ghouta führten, die internationale Öffentlichkeit. Die Machenschaften der USA und der NATO, die beide den Massenmord mit Sarin dem Präsidenten Assad in die Schuhe schieben und einen Krieg gegen Syrien beginnen wollten, werden ebenso diskutiert wie das Vorgehen der Regierung in Ankara gegen den türkischen Abgeordneten Eren Erdem. Dem droht ein Verfahren wegen Landesverrats(!), weil er die türkische Verstrickung in das Verbrechen ans Licht brachte. In Tagesschau und Tagesthemen wird der gesamte Vorgang penetrant verschwiegen. Auch eine Mitteilung des Außenministeriums in Moskau am 25. Dezember 2015, die russische Regierung verlange eine internationale Untersuchung der Vorfälle, wurde nicht in Tagesschau und Tagesthemen berichtet.”.

False-Flag-Giftgasanschlag bereits 2012 von deutschem Professor prognostiziert

Interessant ist im Zusammenhang mit den Giftgasattacken in Syrien auch, dass ein führender deutscher Orientexperte, Professor Günter Meyer von der Universität Mainz, bereits im September 2012 – also knapp ein Jahr vor den tatsächlichen Angriffen in Ghouta bei Damaskus am 21. August 2013 – in einem englischsprachigen Interview in der Asia Times Online davon sprach, dass in arabischen Medien über einen solchen kommenden gezielten Anschlag mit chemischen Waffen im Süden Syriens – unter falscher Flagge – spekuliert wurde, der dem Westen und insbesondere den USA einen Vorwand für eine größere Intervention in Syrien liefern sollte. Der Angriff wurde in Arabien quasi schon als geplant gemeldet, so die Aussagen des Wissenschaftlers ein Jahr vor der tatsächlichen Attacke. Wenn man so will eine False-Flag-Aktion mit Ansage. Das englischsprachige Interview von Lars Schall mit Professor Meyer hatten die Nachdenkseiten 2012 auf deutsch übersetzt. Hier die entsprechende Stelle in dem Artikel vom 27. September 2012:

“LS: Es wird gesagt, dass Syriens Herrscher Baschar al-Assad chemische Waffen verwenden könnte. Was ist Ihre Meinung dazu?

GM: Das Regime hat versichert, dass es niemals chemische oder biologische Waffen verwenden wird. Diese Aussage kann durchaus als glaubwürdig angesehen werden, da der Einsatz von Massenvernichtungswaffen oder sogar die Bewegung solcher Waffen bedeuten würde, die „rote Linie“ zu überschreiten, mit der Präsident Obama drohte. Eine militärische Intervention gegen die syrische Regierung würde die Folge sein. [13]

Allerdings gibt es unbestätigte arabische Presseberichte, wonach NATO-Mächte in Abstimmung mit Saudi-Arabien einen Angriff mit chemischen Waffen im südlichen Syrien vorbereiten, für den das Assad-Regime verantwortlich gemacht werden soll, um eine massive internationale Invasion zu rechtfertigen. [14]”

Im August 2013 passierten dann die Ghouta-Giftgasangriffe, die – leider – so gut zu den Berichten des deutschen Professors Günter Meyer von 2012 passten.

Westliche Medien und Politiker ignorieren Faktenlage

Noch immer schreiben die relevanten westliche Medien und Politiker die Giftgasangriffe von Ghouta – die großen, bekannten Chemiewaffenattacken des Syrienkrieges – der syrischen Regierung unter dem Präsidenten Assad zu, verschweigen anderslautende Erkenntnisse und klären die Sache nicht auf. Gegen die massive Macht der Propaganda haben es die Fakten schwer. Und lügen und verschweigen ist nun einmal nicht strafbar.

blauerbote.com

Quelle