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und die Zersetzung der Demokratie

Unsere lieben Leitmedien wollen es ja bis heute nicht wahrhaben, dass sie an der Flucht ihres Publikums im Wesentlichen selbst die Schuld tragen. Wer heute bei FOCUS Online reinschaut, bekommt auf einen einzigen Blick einen Eindruck davon geliefert, warum immer mehr Menschen die Schnauze voll haben von unschlüssiger, verdrehter, widersprüchlicher und abstoßender, volkspädagogischer „Berichterstattung.“

Das Blatt fragt an einer Stelle offen – und sicher auch zurecht: „Kann SPD-Kandidat Martin Schulz auch Bundeskanzler?“ Im Text wird dann unumwunden gerätselt, wie lange der „Schulz-Hype“ noch anhält.

Aber nicht nur der SPD-Top-Kandidat für die Wahl im September wird infrage gestellt, auch die Eignung Merkels wird ernsthaft bezweifelt, und das schon länger. Nicht, dass das keinen Sinn machen würde, aber wir kommen gleich zu dem eigentlichen Punkt, um den es mir geht.

Merkel wurde vom FOCUS in jüngeren Ausgaben mal ein „narzisstisches Problem“ attestiert, das „gefährlich für Deutschland“ sei; dann wurde gefragt, ob sie „die Lage wieder in den Griff“ bekommt; schließlich dokumentiert FOCUS „Hasskommentare“, die „User“ der eigenen Facebookseite geschrieben haben, nachdem Merkel ihre Kandidatur für eine 4. Amtszeit ankündigte. Der Gesamteindruck von FOCUS: „Ein schockierendes Bild von der Stimmung in Teilen der Gesellschaft.“

Da sind also die beiden derzeit aussichtsreichsten Kandidaten ehemaliger, aber inhaltlich und mit Blick auf Glaubwürdigkeit und Zukunftschancen beinahe bis zur Unkenntlich abgenagter Volksparteien, und sie werden in einem Spektrum von fragwürdigem Kandidatenmaterial über narzisstisch bis hin zu einer Gefahr für das eigene Land beschrieben und dem staunenden Publikum vermittelt.

Und dann, hier kommen wir zu meinem Punkt, lesen wir am Freitag über die Proteste von „Tausenden“ in Münster gegen den Neujahrsempfang der AfD. Dort wurden Europafahnen gehisst und von Geschäftsleuten die Lichter ausgemacht. OK, kann man alles machen.

Und dann beklagt sich das Magazin: „In Münster gehen die Lichter aus, in Köln machen die Karnevalisten mobil. Veranstaltungen der AfD treffen auf Proteste aller Art. Doch die Hallen und Säle für die Parteitage und Empfänge bleiben der Partei nicht verwehrt.“

Wirklich: Es gibt viele Angriffspunkte, die die AfD liefert. Man muss sich mit ihr kritisch auseinandersetzen, sie packen und in einem politischen Wettkampf der Argumente schütteln.

Aber hier lesen wir geradezu eine Aufforderung, der demokratisch legitimierten Partei Versammlungsorte zu verwehren.

Das ist genau jenes Verhalten, das sich aus einer Mischung aus Intoleranz, Überheblichkeit und der Bereitschaft, demokratische Spielregeln und Gesetze für die eigene Position und die eigenen Ziele aufzugeben, speist, und bereit ist, diese mit Stiefeln in den Boden zu treten. Und das alles vor den Augen und Ohren eines Publikums, dem man getrost seine eigene Meinungsbildung überlassen sollte, anstatt ihm jeden Tag aufs Neue einhämmern zu wollen, was es zu denken, zu tun und zu lassen hat.

Niemand in diesem Land will beim Denken betreut, beim Sprechen bereinigt und beim Lesen bevormundet werden. Doch solange dieses miese erzieherische Gehabe im deutschen Blätterwald anhält, wird nicht nur die AfD stärker werden, sondern auch die Leserschaft in Scharen vor den „Qualitätsmedien“ fliehen.

Schlimmer noch: Wer Forderungen wie FOCUS – und viele andere Publikationen in Deutschland – erhebt, die Rechte und Möglichkeiten anderer einzuschränken, bloß weil sie es wagen, anderer Meinung zu sein, der liefert genau dem Vorschub, was wir seit Monaten beobachten können: Die Bereitwilligkeit, anders Denkende nicht nur zu zensieren, sondern sie auch zu ruinieren und ihnen bei Bedarf ans Leder zu gehen.

Die damit einhergehende Zersetzung der Demokratie wird natürlich stets der anderen Seite angelastet.

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