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Übergriffe von Flüchtlingen bei Rathaus-Party

Der Abend hatte sich eigentlich gut angelassen. Coole DJs, Live-Bands, verschiedene Dance-Floors, erzählt Constanze (Name von der Redaktion geändert). Sie und ihre beiden Freundinnen hatten das Gefühl, auf der richtigen Party zu sein. Obwohl sie im Rathaus stattfand, in das ein älterer Herr namens Dieter Reiter alle 18 Jahre alten Münchner eingeladen hatte.

Doch in den oberen Etagen in einem vollen Disco-Raum ging es dann los. Immer wieder wurden die drei Mädchen von jungen Männern aggressiv angetanzt, kein Wegdrehen half, kein klares „Nein“. Sie sahen sich um, nicht nur ihnen erging es offenbar so. Die drei gaben auf, gingen weiter nach unten und wollten an einem zum Kinosaal umfunktionierten Raum vorbei.

Fünf junge Männer standen davor, quatschten sie an, sie sollten mit ihnen in den leeren Saal kommen. Das klare Nein brachte wieder nichts, plötzlich packte einer Constanze, ein zweiter eine Freundin am Arm, um sie mit Gewalt in den Raum zerren. Drei Security-Mitarbeiter gingen sofort dazwischen, warfen die jungen Männer raus.

Situation gelöst, Stimmung im Keller, aber nichts Gravierendes passiert, es hätte schlimmer kommen können. Das weiß auch Constanze. Einem anderen Gast erging es tatsächlich schlimmer. Ein 18 Jahre altes Mädchen wurde von einem gleichaltrigen Schüler aus Syrien attackiert. Er begrapschte sie brutal und versuchte gewaltsam, ihr einen Zungenkuss zu geben. Die junge Frau wehrte sich vehement. Die Polizei nahm den 18-Jährigen vorläufig fest. Er wurde wegen sexueller Nötigung angezeigt und später wieder entlassen.

Es sind zwei Vorfälle, wie sie auch in vielen Clubs geschehen können. Doch auch für Constanze, die früh genug Hilfe erhielt, ist etwas Gravierendes passiert. Denn sie verließ am 29. Oktober nicht irgendeine Disco – sondern das Münchner Rathaus. Die Bands und DJs heizten 1360 Besuchern in den Sälen und Büros ein, in denen sich die Politiker und Mitarbeiter um ihre Mitbürger kümmern. Damit sie gut leben, friedlich leben, sicher leben.

Constanze fand die Idee, alle gerade 18-Jährigen genau in dieses Rathaus einzuladen, gut und toll umgesetzt, gerade auch, weil Oberbürgermeister Reiter (SPD) offensichtlich auch viele Flüchtlinge eingeladen hatte. Sie hat auf ihrem Facebook-Profil einen Like beim Toleranzbündnis „München ist bunt“ gesetzt. Die 18 Jahre alte Studentin hat der Abend dann umso mehr frustriert, weil all die von ihr wahrgenommene aggressive Anmache von jungen Männern ausging, die sie der Gruppe der Flüchtlinge zuordnet. Sie hat lange überlegt, ob sie das öffentlich macht, weil sie nicht Vorurteile schüren will. Aber sie will es auch nicht aus falsch verstandener politischer Korrektheit als normal hinnehmen, dass sie im Rathaus blöd angemacht wird. Auf den Dance-Floors „ging es schon unnormal heftig zu“, sagt sie.

Auch der Gastgeber, Oberbürgermeister Dieter Reiter, will das nicht einfach so hinnehmen. „Für ein derartiges Verhalten gibt es bei mir überhaupt keine Toleranz. Die Sicherheitskräfte haben erfreulicherweise schnell und gut reagiert, aber wir werden künftig alles tun, um derartige Übergriffe möglichst schon im Vorfeld zu verhindern.“ Die Stadt werde bei den Partys künftig noch stärker darauf achten, „dass zusätzlich speziell ausgebildete weibliche Ansprechpersonen eingesetzt werden, die kritische Situationen im Idealfall schon im Entstehen erkennen“, sagt Reiter.

Für falsch verstandene Rücksichtnahmen stehe er nicht. „Dass offenbar junge Männer mit Migrationshintergrund beteiligt waren, darf nicht wegdiskutiert werden, sondern muss auch benannt werden. Nicht umsonst steht Integration ganz oben auf unserer Agenda. Dabei geht es um gegenseitigen Respekt und das Einhalten von Regeln.“

Über die zwei Vorfälle hinaus seien keine Überschreitungen bekannt, heißt es von der Pressestelle der Stadt. Insgesamt seien etwa zehn junge Männer des Hauses verwiesen worden. „Bis auf die wenigen Vorfälle mit alkoholisierten 18-Jährigen oder Älteren, die es überall gibt, war es ein ruhiger und normaler Abend“, sagt auch Monika Primas, Chefin des Security-Unternehmens, das die Stadt für die Party engagiert hatte.

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