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Negativzinsen: Wo die Banken jetzt abkassieren

Ausgerechnet die Sparkassen – die Erfinder des Weltspartages – übernehmen die Vorreiterrolle. Schon bald müssten Deutschlands Bankkunden wohl flächendeckend Strafzinsen für ihre Ersparnisse zahlen, kündigte vor Kurzem Verbandspräsident Georg Fahrenschon an. Doch negative Nominalzinsen sind eigentlich gar nicht erforderlich: Überall drehen die Geldhäuser derzeit an der Gebührenschraube. Den Kunden wird bald Hören und Sehen vergehen.

Unpopuläre Entscheidungen lassen sich leichter durchsetzen, wenn man der Sache einen sympathischen Namen gibt. Die Solidaritätsabgabe zum Beispiel, mit der die Bundesbürger schon seit 1991 abgezockt werden und die vermutlich noch die Kinder und Enkel zahlen dürfen, heißt umgangssprachlich bekanntlich »Soli«. Diese recht niedlich klingende Abkürzung hat bereits seit Jahren einen festen Platz im Duden.

Wenn Deutschlands Sparer in nicht allzu fernen Zeiten für ihre Bankeinlagen mit Negativzinsen zur Kasse gebeten werden, könnte man mit Fug und Recht von Strafzinsen sprechen. Das Sparen als eine deutsche Tugend wird bestraft.

Klingt nicht wirklich gut. Und deshalb sprechen die Banker intern mittlerweile eher von »Parkgebühren«. Die Kommunikationsstrategie gegenüber dem Kunden steht damit fest: Die Banken verwahren das Geld des Kunden angeblich sicher auf ihren Konten, dafür wird aber eine Gebühr fällig – vergleichbar mit der kurzfristigen Miete eines Parkplatzes in der Innenstadt.

Ein starkes Argument hätten die Banker: Die rapide steigende Zahl von Wohnungseinbrüchen spricht nicht unbedingt dafür, größere Mengen Bargeld zu Hause zu lagern. Und da die Polizei-Ressourcen dringend gebraucht werden, um Marathon-Blitzer-Aktionen durchzuführen und Fußballspiele zu überwachen, ist nicht davon auszugehen, dass die Ordnungskräfte bald mehr unternehmen, um das Hab und Gut der Bürger zu schützen.

»Parkgebühren« für die Ersparnisse

Schon heute werden »Parkgebühren« fürs Geld fällig. Dann nämlich, wenn Banken ihre Liquidität bei der EZB hinterlegen. Noch trauen sich die Geldhäuser aber nicht, ihren Privatkunden Negativzinsen zu berechnen. Zu groß ist die Angst, sie könnten ihre Guthaben abheben. Einige Institute freilich nähern sich ganz allmählich dem negativen Terrain. Wer zum Beispiel ein Tagesgeldkonto bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) unterhält, bekommt nach Angaben des Verbraucherportals Biallo aktuell gerade einmal 0,01 Prozent. Bei einem Guthaben von 20 000 Euro ergibt dies unter dem Strich einen jährlichen Kapitalertrag von sage und schreibe zwei Euro. Santander, GLS Bank, die Volksbank Eisenberg online und sogar die »politisch korrekte« Ethikbank zahlen gar nichts mehr. Null Komma null Prozent Zinsen!

Das bedeutet nichts anderes, als dass der Kunde heute schon mit negativen Realzinsen schleichend enteignet wird. Null Prozent Zinsen minus Inflationsrate ergibt einen negativen Realzins. Was nun zur Diskussion steht, sind negative Nominalzinsen. Der Sparer müsste also Geld dafür zahlen, dass seine Bank sein Guthaben auf einem Konto »verwahrt«.

Lange wird es wohl nicht mehr dauern, bis die Kunden auch mit negativen Nominalzinsen und/oder kreativen Gebühren belastet werden. Vor wenigen Tagen erklärte der Präsident des Deutschen Sparkassenverbands, der frühere bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon, es sei nicht mehr möglich, die Kunden vor den Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB zu bewahren. Im Klartext: Auch sie müssen Strafzinsen (pardon: »Parkgebühren«) zahlen. Ausgerechnet die Erfinder des Weltspartages kündigen also an, Sparer künftig sukzessive zu enteignen. Volks- und Raiffeisenbanken hielten sich bisher mit konkreten Äußerungen zwar noch zurück, doch sie stehen vor einem ähnlichen Problem: Das bisherige, in erster Linie auf Zinsen basierende Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr. Gleichzeitig bleiben die Kosten für die Filialnetze dieser Institute hoch.

Auf Jahre keine Zinssteigerung in Sicht

Auch die Deutsche Bundesbank bereitet die Bürger schon mal auf die Einführung von »Parkgebühren« fürs Geld vor. Vorstandsmitglied Andreas Dombret sagte vor Kurzem, die Verbraucher müssten früher oder später durchaus mit negativen Zinsen rechnen. Dies werde umso wahrscheinlicher, je länger das aktuelle Zinsniveau bestehen bleibe. Und an dem dürfte sich in den nächsten Jahren nichts ändern. Manche Insider halten sogar erst in zehn Jahren eine signifikante Zinssteigerung für denkbar.

Keine Frage, die Einführung von negativen Nominalzinsen ist äußerst unpopulär – nicht zuletzt dann, wenn Wahlen vor der Tür stehen. Die Banken setzen deshalb derzeit gerade alternative Abzockmodelle um. Mancher Kunde wundert sich zum Beispiel, für welche Dienstleistungen er plötzlich Gebühren zahlen soll. Immer mehr Geldinstitute berechnen für Papierüberweisungen ein happiges Entgelt. Nach Angaben des Verbraucherportals Biallo müssen Kunden der Kasseler Bank für eine Überweisung in Papierform 2,25 Euro zahlen. Bei nur fünf Überweisungen pro Monat ergibt dies eine Belastung von jährlich 135 Euro.

Als Alternative verwiesen die Banken bisher auf die sogenannten Überweisungsterminals, die meist im Foyer der Institute neben den Geldausgabeautomaten platziert sind. Dort gibt der Kunde die Überweisungsdaten ein und legitimiert sich mithilfe seiner Girocard und PIN. Mittlerweile allerdings berechnen manche Banken sogar für diese Terminalüberweisungen Gebühren. Nach Recherchen von Biallo verlangt die Berliner Sparkasse für Papierüberweisungen 1,90 Euro und für Terminalüberweisungen 0,60 Euro. Nur Online-Überweisungen kosten (zumindest bislang) noch nichts.

Die Zeit der günstigen (oder sogar kostenlosen) Girokonten könnte ebenfalls bald vorbei sein. Zwar haben die Kunden jederzeit die Möglichkeit, zu einer der preiswerteren und trotzdem sicheren Direktbanken mit Sitz in Deutschland zu wechseln, doch die Banker wissen natürlich, dass dies angesichts der vielen Einzugsermächtigungen, Daueraufträge und so weiter mit einigen Umständen verbunden ist. Die Wechsel-Hürden sind entsprechend hoch.

Null Zinsen, aber überall steigende Gebühren

Auch bei den Gebühren für die Girocard (früher: EC-Karte) langen viele Geldhäuser mittlerweile mächtig zu. Solange es noch Bargeld gibt, könnten auch Auszahlungen am Schalter und an den institutseigenen Geldausgabeautomaten mit Gebühren belastet werden. Bei Benutzung von institutsfremden Geldausgabeautomaten fallen schon heute hohe Gebühren an.

Eine lukrative Einnahmequelle für die Banken bleiben überdies die Zinsen für Dispositionskredite auf den Girokonten.

Während die Guthabenzinsen bei vielen Geldinstituten faktisch abgeschafft wurden, muss der Kunde für seinen Dispo zum Teil noch Zinsen von atemberaubenden zwölf Prozent und mehr zahlen (hier ist allerdings gut beraten, wer vergleicht, denn Dispo- und Abrufkredite bekommt man deutlich günstiger). Das zeigt immerhin: Die Banken müssen nicht unbedingt Negativzinsen einführen, um die Kunden verstärkt zur Kasse zu bitten. Null Zinsen bei stetig steigenden Gebühren: Das Bankgeschäft dürfte für Privatkunden bald viel teurer werden.

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